Volkstrauertag 2025 | Feierstunde am 16. November in Wißgoldingen und Waldstetten
Frieden ist möglich
„Waldstetten zeigt Flagge: Wir haben eine zunehmende Zahl an Teilnehmern bei unserer Feierstunde zum Volkstrauertag. Denn Hetze und Gewalt in Netzwerken und unter den Menschen sollen keine Chance haben. Extremismus wird abgelehnt.“ Mit diesen deutlichen Worten begrüßte Schultes Michael Rembold die zahlreichen Besucher der Feierstunde zum Volkstrauertag am Sonntagnachmittag in der Aussegnungshalle des Friedhofs. Mit Blick in alle Kriegsgebiete stellte er fest: „Krieg ist vor unserer Haustür.“ Doch dies bezog er nicht nur auf die Ukraine, Israel und die Bürgerkriegsgebiete. Krieg kann auch in Familien herrschen: „Wenn sich alle in der Familie unterordnen müssen, ziehen sie sich zurück, ordnen sich unter, äußern keine Meinung.“ In Waldstetten sei die starke Bürgergemeinschaft das Gegenmittel zu Hetze und Gewalt. Das habe sich bei den Feierlichkeiten in unserem Jubiläumsjahr gezeigt, das geprägt war von Gemeinsamkeit. Er sei stolz, in einer Gemeinschaft zu sein, die zusammenstehe. „Lebendige Steine am Ehrenmal sprechen zu uns. Was in den beiden Weltkriegen geschehen ist, das darf nie mehr passieren“, appellierte er an die Anwesenden. Beispielgebend nannte er vier Waldstetter Bürger, die die Weltkriege noch miterlebt hatten und die Gewaltherrschaft und das im jungen Alter Erlebte nie mehr vergessen konnten. Er beendete seine Ansprache mit einer Variation des Zitats von Martin Luther King: „Ich habe den großen Traum, dass Menschen nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt werden.“
Dem Waldstetter Jugendbeirat Elias Hofele oblag die Eröffnung der Feierstunde, die er unter das Thema „Frieden“ gestellt hatte. Frieden bedeute Harmonie – Eintracht – Ruhe – Stille – Gelassenheit – Ausgeglichenheit. Frieden bedeute Versöhnung – Einigung – Verständigung – Einvernehmen – Zusammenhalt. Frieden bedeute aber auch Seelenruhe – Einklang – Zufriedenheit – Balance – Geborgenheit.
„In Europa endete der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945. Erst nachdem Hiroshima und Nagasaki in einem atomaren Feuer „heller als tausend Sonnen“ untergingen, schwiegen am 2. September 1945 auch in Asien und im Pazifikraum die Waffen. Der Zweiter Weltkrieg dauerte also sechs Jahre und zwei Tage. Das sind 2.194 Tage beziehungsweise 52.656 Stunden. In jeder Stunde verloren durchschnittlich 1.234, in jeder Minute 21 Menschen gewaltsam ihr Leben“, führten Erika Hernandez-Krieg, Marie Weiß und Leon Steyer von der Franz von Assisi-Schule die grausame Wahrheit 80 Jahre nach Ende des Weltkrieges vor Augen. Im zweiten Teil ihres Beitrags nahmen die drei Schüler die Zuhörer mit nach Hiroshima zum 6. August 1945. Zu einem sommerlichen Montagmorgen, der durch einen Atombombenangriff ein abruptes Ende fand. Denn „Mit der Explosion der Atombombe hatte die Stadt Hiroshima – mit Ausnahme einiger Außenbezirke – aufgehört zu existieren“, so die Schüler, die daraufhin 80 Jahre in die Zukunft mit der Frage blickten: und heute? Sie zählten auf, welche Nationen derzeit atomgetriebene Raketen testen: Im Besitz der neun Atomwaffenstaaten befinden sich aktuell etwa 12.241 Atomwaffen, 3.900 davon sind sofort einsatzfähig, 2.100 können binnen weniger Minuten ihr Ziel erreichen. Als Hoffnungszeichen auf Frieden verteilten sie am Ehrenmal Origami-Kraniche, denn eine alte japanische Legende erzählt: „Derjenige, der 1000 Origami-Kraniche faltet, bekommt von den Göttern einen Wunsch erfüllt.“ Währenddessen trug Luis Klotzbücher sein selbst verfasstes Gedicht unter dem Titel „Krieg und Frieden“ vor, dessen Schluss verdeutlichte: „Im Krieg gibt es keine Sieger, sondern immer nur Verlierer.“
Der evangelische Pfarrer Jörg Krieg blickte ebenfalls 80 Jahre zurück und kann nicht nachvollziehen, dass nur wenige Jahre nach Kriegsende wieder aufgerüstet wurde. „Hat die Menschheit nichts gelernt? Warum bekommen wir das mit dem Frieden nicht hin?“, so seine Frage. Gar einen Joystick-Krieg nennt er die zu tausenden am Himmel fliegenden und bedrohenden Drohnen. Dennoch ist er der Meinung: „Frieden ist möglich. Denn der Friede beginnt bei uns selbst. Wer als Kind oder später mit sich nicht im Reinen ist, hat keinen Frieden in sich.“
Die musikalische Umrahmung oblag in der Aussegnungshalle dem katholischen Kirchenchor, während am Ehrenmal das Blechbläserensemble des Waldstetter Musikvereins der Veranstaltung einen feierlichen Rahmen verlieh.
Einen besonderen Stellenwert hat stets auch der Trauerzug von der Aussegnungshalle zum Ehrenmal, den die Waldstetter Jugendfeuerwehr mit ihren Fackeln anführt, gefolgt von der aktiven Wehr, Standarten- und Fahnenträger der örtlichen Vereine sowie der Bürgerschaft. Dazwischen Schultes Michael Rembold und der ehemalige Hauptamtsleiter Friedrich Kopper mit einem Kranz, den sie am Ehrenmal im Gedenken an die Gefallenen und Verstorbenen niederlegen.
Wißgoldingen
Die Gedenkfeier in Wißgoldingen wurde am Vormittag vom katholischen Kirchenchor unter der Leitung von Konrad Sorg und Stefan Feifel an der Orgel in der Kirche St. Johannes Baptist würdig musikalisch umrahmt. Am Kriegerdenkmal vor der Kirche begleiteten den Ortschaftsrat sowie der Musikverein Harmonie Wißgoldingen unter der Leitung seines Dirigenten Robert Glaser die Kranzniederlegung. Zum Gedenken an die gefallenen Soldaten der Weltkriege erklang „Ich hatt‘ einen Kameraden.“












