Kein Platz für Gewalt gegen Frauen: Sichtbares Zeichen in Wißgoldingen durch Aufstellen einer roten Bank gegenüber vom Bezirksamt am 24. März
Das Thema muss in die Öffentlichkeit getragen werden
„Kein Platz für Gewalt gegen Frauen“ – in weißen Lettern prangt dieser aussagekräftige Satz auf der Lehne einer roten Sitzbank seit Dienstagabend gegenüber dem Wißgoldinger Bezirksamt. Sie soll zum Verweilen und zugleich Nachdenken einladen. Die rote Bank ist eine bundesweite Kampagne, die von den regionalen Vereinen Kreisfrauenrat Ostalb sowie Frauen helfen Frauen Schwäbisch Gmünd ins Bewusstsein der Bürger gebracht werden möchte.
„Rot wird gesehen, es ist ein sichtbarer Aufruf. Die Bank hat einen Platz mitten in der Gesellschaft, denn in der Gesellschaft passiert die Gewalt an Frauen“, bringt es Franziska Stadelmaier vom vierköpfigen Vorstandsteam von Frauen helfen Frauen auf den Punkt. Der Kreisfrauenrat Ostalb und Frauen helfen Frauen Schwäbisch Gmünd machen aktiv auf das Thema Gewalt gegen Frauen aufmerksam: „Wir wollen, dass darüber geredet wird. Jeden Tag stirbt in Deutschland eine Frau durch einen Femizid, alle drei Minuten ist eine Frau in Deutschland Opfer häuslicher Gewalt“, erklärt ihre Vorstandskollegin Rita Mager. Im Ostalbkreis werde die Zahl der Gewalttaten gegen Frauen auf 2.500 bis 4.500 Fälle jedes Jahr geschätzt. Jeder Fall ist einer zu viel. Gewalt zeige sich dabei in vielfältiger Form und Ausprägung. Nur jede für sich entscheidet, wo Gewalt beginnt. Bei der sexuellen Gewalt reicht das Spektrum bis hin zur Vergewaltigung. Die häusliche Gewalt äußert sich nicht nur in der körperlichen Gewalt. Genauso werden psychische, soziale und ökonomische Gewalt durch die Täter eingesetzt, um Macht über die Partnerin auszuüben. Dies sei in allen Bevölkerungsgruppen verbreitet, keine Kultur falle besonders auf. Hinzu kommt seit einiger Zeit die digitale Gewalt.
„Es ist für mich al Mann zum Fremdschämen, was in der Gesellschaft passiert“, gestand Schultes Michael Rembold. Kinder übernehmen die bei den Eltern erlebte Gewalt und setzen sie später fort. Die Gewaltbereitschaft in Schulen nehme deutlich zu. „Das Thema muss in die Öffentlichkeit getragen werden“, so der Bürgermeister, die Gemeinde setze da gerne Zeichen. Im Februar 2025 wurde bereits eine rote Bank am Interimsrathaus aufgestellt, auf die er oft von Besuchern angesprochen werde.
Die Idee der roten Bank als Zeichen gegen Gewalt an Frauen geht zurück auf die Aktion „Panchina rossa“ aus der italienischen Stadt Perugia in Italien, um auf die erschreckend hohen Zahlen häuslicher Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. Dort stehen rote Bänke seit 2016 in öffentlichen Räumen. Zahlreiche deutsche Städte und Kommunen haben die Initiative aufgegriffen und rote Bänke aufgestellt. Wie alle Bänke weist die von einem Spender finanzierte Bank durch Plaketten auf wichtige Hilfsangebote hin. Dazu gehört auch das bundesweite Hilfetelefon unter 116 016, das rund um die Uhr besetzt ist.

Kontaktdaten von Frauen helfen Frauen Schwäbisch Gmünd
Hilfetelefon (07171) 39977 | Hier finden Betroffene ein offenes Ohr, erste Hilfestellung und bekommen Termine für die Beratung. Die ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter sind am Montag von 17 bis 19 Uhr sowie Donnerstag von 9.30 bis 11.30 Uhr erreichbar.
Beratung |Die Diplom-Sozialpädagogin Gabi Pall bietet Beratung für Frauen, die körperliche oder seelische Gewalt erlebt haben oder die sich in einer schwierigen Partnerschaft oder Trennung befinden. Kontaktaufnahme über das Hilfetelefon oder per Mail an gabriele.pall@fhf-gd.de.
Selbsthilfegruppe |für Frauen, die seelische oder körperliche Gewalt erfahren haben oder sich in einer schwierigen Partnerschaft/Trennung befinden: selbsthilfe@fhf-gd.de

