Rathaus-Neubau | Einweihung am 25. September und Tag der offenen Tür am 27. September
Ein Haus für alle
Im Laufe der Bauphase des neuen Rathauses wuchs die Neugierde auf das neue Gebäude, das die Waldstetter Verwaltung beziehen wird. Kritische Stimmen, lobende Worte aber auch augenzwinkernde Abweichungen des finalen Gebäudes kamen auf. So wurde als Mai-Scherz dieses Jahr dem Rathaus ein Glockenturm samt Kreuz beigefügt. Kein Wunder also, dass Schultes Michael Rembold die Gäste am Freitagabend bei der offiziellen Einweihung in der Kathedrale der Demokratie willkommen hieß. Ein neues pulsierendes Herz unserer lebendigen Stuifengemeinde nannte er das Gebäude und an die beiden Ortsgeistlichen gewandt: „Ähnlich einer Kirche dürfen auch von einem kommunalen Bürgerzentrum kräftige Impulse des Friedens, des Miteinanders und der Gemeinschaft ausgehen.“ Denn für den Waldstetter Bürgermeister sei der Gemeindefrieden stets handlungsleitend und stehe an erster Stelle seines Wirkens. In seiner von einer PowerPoint-Präsentation begleiteten Rede ging Rembold auf die gesamte Entstehungsgeschichte, die „Meilensteine“, ein. Als Grundlage für eine Grundsatzentscheidung diente ein unabhängiges Immobiliengutachten, das den Bürgern in einer Versammlung am 15. Oktober 2015 vorgestellt wurde. Ein Architektenwettbewerb folgte im Mai 2019, nachdem die Frage „Tiefgarage oder Parkdeck“ in einer Bürgerversammlung 2018 Thema war. Nach der Bürgerversammlung mit den Wettbewerbsarbeiten am 6. November 2019 fiel die Entscheidung auf das Büro Drei Architekten aus Stuttgart mit Architekt Rainer Streule und dessen Mitarbeiterin Elena Oberdörfer. Die Bauleitung oblag Dominik Anders von Bauwerk 4. Für das Rathausumfeld konnten Landschaftsplaner Andreas Schenk und Benjamin Holz vom Büro bhm gewonnen werden.
Der Baggerbiss erfolgte am 4. Oktober 2022, zuvor waren die Mitarbeiter ins zwischenzeitlich erbaute Interims-Rathaus in die Bettringer Straße gezogen. Bereits ein Jahr darauf war Spatenstich und nun, drei Jahre später, durfte der Einzug vollzogen werden. Für Rembold erfülle das Bürgerzentrum alle Voraussetzungen für ein modernes, harmonisches und vertrauensvolles Handeln im Sinne gelebter Bürgernähe.
Architekt Rainer Streule zeigte sich dankbar, den langen Weg mit der Gemeinde gegangen zu sein. „14.000 Quadratmeter und fünf Geschosse – das ist nicht klein, sondern ein relativ großes Volumen.“ Aber es sei auch ein Rathaus, das den Ort widerspiegelt. Zum Rathausbau hinzu kamen die Kanalsanierung, Bachverdolung sowie der Bau des Polizeipostens. Kurz beschrieb er die Vorzüge der neuen Räume, des Foyers und Dachgeschosses und ging auf die Statik ein. Wichtig war dem Architekturbüro auch der Weitblick: „Das Haus wird viele Jahrzehnte stehen, doch wenn sein Existenzende kommt, ist ein Rückbau dank der eingesetzten Materialen leicht möglich.“
Für Landrat Dr. Joachim Bläse ist das neue Rathaus nicht nur ein Ort der Demokratie. Diese Funktion erfüllen viele Rathäuser. „Das Waldstetter Rathaus hat eine Strahlkraft und sagt etwas über Waldstetten aus.“ Im Weiteren ging er auf die örtliche Musikschule ein, die die musikalische Umrahmung innehatte und bescheinigte ihr, eine der besten Musikschulen im Kreis zu sein. In einem Ort der Demokratie müssen auch junge Menschen sein: „Waldstetten zeigt, was Gemeinschaft ausmacht“, so der Landrat.
Der Landtagsabgeordnete Tim Bückner gestand, dass er selten einer Einweihung eines Rathausneubaus bisher beigewohnt habe. Aber noch seltener einer Kirche. In Anlehnung an das beeindruckende Wahlergebnis bei der Bürgermeisterwahl nannte er das neue Gebäude Basilika zum hl. St. Michael. Es präge das Gesicht der Gemeinde. Er wünschte den Mitarbeitern Freude am neuen Arbeitsplatz und lobte nochmals die vorbildhafte Lösung der vorübergehenden Unterbringung im Interimsrathaus.
Auch die beiden Vertreter der Partnergemeinden in Frankreich und Thüringen zeigten sich beeindruckt vom neuen Rathaus. Jean-Pierre Franoux aus Malzéville erinnerte sich noch an seinen ersten Besuch in Waldstetten vor 40 Jahren als damaliger Bürgermeister, als er wie auch heute herzlich empfangen wurde. Er habe die Entwicklung der Gemeinde erlebt, neue Bedürfnisse seien entstanden. „Die Gemeinde passte sich an, denn Rainer Barth und Michael Rembold haben es verstanden, die Entwicklung zu begleiten.“ Frankenblicks Bürgermeisterin Ute Müller-Gothe war vor vielen Jahren erstmals mit ihrem Vater und ihrem kleinen Sohn zu Gast in Waldstetten, woran sie sich bei jeder Fahrt nach Waldstetten erinnere. Die Größen der Gemeinden, die landschaftlichen Schönheiten und die Strukturen seien ihrer beiden Gemeinsamkeiten. Doch manchmal blicke sie wehmütig nach Waldstetten als „arme Vertreterin einer kleine südthüringer Gemeinde, die den Bürgern nicht das bieten kann, was denkbar und wünschenswert ist“. Doch müsse auch gesagt werden, „dass wir uns glücklich schätzen können, in einer friedlichen und demokratisch geführten Heimat zu leben. Und das verbindet unsere beiden Gemeinden.“ Jedes Rathaus sei nicht einfach nur ein Verwaltungsgebäude mit Mitarbeitenden, die Kaffeetassen durch die Gegend tragen. Es sei der Ort, wo die Geschicke von Städten und Gemeinde gelenkt werden, über Ausgaben beraten und gestritten werde. Es soll den Bürgern als Anlaufpunkt dienen und sei ein Symbol der Stärke und Einheit, des Zusammenhaltens.
Mit dem Geständnis, dass ihm nach all den Berichten nicht klar war, dass am Fuße des Kirchbergs die Kathedrale steht, begann Pfarrer Dr. Horst Walter augenzwinkernd die gemeinsame Segnung mit Pfarrer Jörg Krieg. Denn Kathedrale leite sich ab von dem Wort "Kathedra", das Sitz des Bischofs bedeute. Pfarrer Krieg ging wie auch schon die Vorredner auf die Eigenschaften eines Rathauses ein. So sei es ein Haus des Zuhörens, der Verantwortung und der Gemeinschaft. Er wünsche dem Rathaus, dass es tatsächlich das ist, was sein Name verspricht: ein Haus für alle.
Tag der offenen Tür
Der Sonntag war dann der interessierten Bevölkerung vorbehalten. Dabei konnten die Besucher mit einer Rathaus-Rallye alle Räume und die Mitarbeiter kennenlernen, durften auf dem Sessel des Bürgermeisters Platz nehmen oder sich bei Führungen das Gebäude zeigen lassen. Für die Kinder gab es zahlreiche Angebote und zur vollen Stunde sorgten verschiedene Gruppierungen auf dem Rathausplatz mit ihren musikalischen Beiträgen für viel Applaus.
Das Rathaus-Team bedankt sich bei allen Besuchern für das riesige Interesse und die vielen tollen Begegnungen und Gespräche.








































