Was uns der Alte Friedhof erzählen kann | Bekanntes und Unbekanntes aus der Parkanlage Alter Friedhof
In dieser vom Arbeitskreis Alter Friedhof erstellten Serie berichten wir über die Waldstetter Begräbnisorte und erklären, warum die Parkanlage in der Ortsmitte „Alter Friedhof“ genannt wird.
Der Ort Waldstetten wird im Jahr 1275 erstmals in einer Urkunde aufgeführt. Die Siedlung mitsamt ihrer Pfarrkirche gab es bereits früher. Wo Menschen leben, sterben sie auch und müssen dort bestattet werden. In der Geschichte des Ortes Waldstetten gab bzw. gibt es bislang drei zeitlich nacheinander angelegte Begräbnisstätten.
1. Der Kirchhof von St. Laurentius
Der Kirchhof ist ein Friedhof, der direkt an eine christliche Kirche angrenzt oder sie gar umschließt. Die Verstorbenen wurden somit in der Nähe des geweihten Altares und der dort eingelegten Reliquien beigesetzt.
Auch in Waldstetten war dies so. Die Fundamente des Chorturms der Laurentius-kirche werden auf 1220 datiert. Um die Kirche herum entstand der Kirchhof, welcher von einer Umgebungsmauer geschützt wurde. Von Anbeginn der Pfarrei bis etwa 1830 war der Begräbnisort bei der kleinen Pfarrkirche. 1837 wurde die Friedhofsmauer abgerissen.
Am Rande sei erwähnt, dass bis 1766 auch der kleine Ort Rechberg zur Pfarrei Waldstetten zählte und daher auch deren verstorbenen Einwohner dort bestattet wurden.
2. Der Gottesacker am Dorfrand
Der Kirchhof war lange schon beengt, um das Jahr 1820 eindeutig zu klein, so dass eine Entscheidung unausweichlich war. Im Pfarrarchiv lesen wir: „Westlich außerhalb des Ortes, 188 Schritte von der Pfarrkirche, 1830 auf Kosten der Pfarrgemeinde errichtet, befindet sich der Gottesacker.“
Der zweite Friedhof von Pfarrstelle und Gemeinde Waldstetten (heute in der Ortsmitte gelegen) wurde also außerhalb der bebauten Dorffläche errichtet. Die heutige Rechbergstraße und die Straßdorfer Straße waren damals Felder, Äcker und Wiesen – und zu dieser Zeit noch vollständig unbebaut. Das besiedelte Dorf erstreckte sich damals im Wesentlichen vom Oberdorf (Richtung Eichhölzle und Stoffel) bis zum Unterdorf Richtung Schlössle. Eine 1,71m hohe Mauer umschloss „die neue Begräbnisstätte mit einer Fläche von 20 Ar und 52qm. 1906 wurde der Friedhof in westlicher Richtung um weitere 10 Ar“ (bis zur Grundstücksgrenze des heutigen Modehauses Reißmüller) vergrößert. Der alte Friedhofsteil von 1830 und die Erweiterungsfläche von 1906 erhielten jeweils einen Eingang von Norden.
1830 war der Kirchhof bereits überbelegt und wurde für Bestattungen geschlossen. Beisetzungen fanden nur noch auf dem „neuen“ Friedhof am Beginn des Weges auf den Rechberg statt. Auf diesem Gottesacker wurden alle Verstorbenen des Pfarrsprengels in der Zeitfolge ihres Todes in 2 Reihen begraben.
Die Besitzrechte des neu angelegten Friedhofs in der Ortsmitte waren in der Anfangszeit umstritten. 1855 wurde klargestellt, die Begräbnisstätte gehört der Gemeinde, die darauf befindliche Kapelle der Kirche.
Die sich bereits zwischen den Kriegsjahren des 20. Jahrhunderts abzeichnende Vollbelegung der Grabflächen und die fehlende Erweiterungsmöglichkeit am Standort führte in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts zum Neubau eines weiteren Friedhofs.
3. Der Neue Friedhof unter der Hohenreute
Am 13. Oktober 1957 wurde die dritte Waldstetter Begräbnisstätte eingeweiht. Sie befindet sich ebenfalls am alten Weg auf den Rechberg, nun jedoch am Ende der heutigen Rechbergstraße auf der rechten Straßenseite unterhalb der Hohenreute gelegen. 1951 wurde für die Neuanlage ein Grundstück mit einer Fläche von 76a 40m² von der bürgerlichen Gemeinde erworben. Die Bebauung des Dorfs reicht heutzutage bis an das Friedhofsgelände heran.
Beerdigungen auf dem neuen Friedhof sind im Totenregister der Gemeinde ab November 1957 eingetragen.
Zusammenfassung
Mit der Errichtung und Einweihung des Neuen Friedhofs unter der Hohenreute erhielt der Begräbnisplatz in der heutigen Ortsmitte ab 1957 die Bezeichnung „Alter Friedhof“. Seine Nutzung als Begräbnisstätte erstreckte sich von 1831 bis 1957.
Texte: Hans-Walter Burkhardt





