Abschlussveranstaltung "Pilotprojekt „Kommunale Gemeinwesen- und Pflegekoordination“ in Waldstetten" am 3. Dezember im Bürgerhaus
Herausforderungen sind keine Bedrohungen
Dass Landrat Dr. Joachim Bläse gerne nach Waldstetten kommt, hat er – wie auch am Freitagabend – bereits mehrfach anklingen lassen. Dass aber Staatssekretärin Sabine Kurtz spontan mit dem Gedanken kokettierte, nach Waldstetten zu ziehen, resultierte aus den Ergebnissen des Pilotprojektes „Kommunale Gemeinwesen- und Pflegekoordination“ in Waldstetten" beziehungsweise gemeinsam.waldstetten.gestalten., über die Quartiersmanagerin Anneliese Iser mit den Gesprächspartnern am Freitag vor zahlreichen Gästen im Bürgersaal sprach.
„Alles, was in Waldstetten geschieht, geschieht gemeinsam“, fasstes es Schultes Michael Rembold bei seiner Begrüßung zusammen. „Quartiersarbeit ist Netzwerkarbeit“ war eine weitere Aussage, die an diesem Abend öfters zu hören war. Das große Ziel sei, dass Menschen in ihrem Zuhause bleiben können. Dafür müssen Strukturen geboten werden, so Rembold. „Das Projekt hat gezeigt, wie hier die Lebensqualität älterer Menschen verbessert werden kann“, gab Iser Einblick in ihre Arbeit der zurückliegenden anderthalb Jahre. „Die Vorzeichen stehen gut, dass wir vorankommen.“ Und mit Blick auf das starke Ehrenamt in Waldstetten: „Ehrenamt stärkt Teilhabe und damit die Demokratie.“
Dass für das Pilotprojekt bewusst Waldstetten ausgewählt wurde, begründete der Landrat damit, dass in der Gemeinde sehr viel bewegt werde. Er dankte er den anwesenden Staatssekretärinnen Sabine Kurtz (Ministerium für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz) und Dr. Ute Leidig (Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration) für die Unterstützung sowie dem Waldstetter Bürgermeister und dem Gemeinderat, die dem Projekt zugestimmt hatten. „Vieles wird im Keim erstickt, weil es kostet. Waldstetten hat die richtigen Akteure gefunden. Herausforderungen sind keine Bedrohungen.“ Die Lebenserwartung steige. Damit umzugehen, sei die Aufgabe. Beispielsweise Menschen für Sport zu begeistern, wäre ein Baustein, um gemeinsam alt zu werden. Prävention sei der Hebel in der Quartiersarbeit, betonte Iser und stellte die Frage „Was ist alt?“ in den Raum. Menschen im Rentenalter seien wertvoll, denn sie haben Lebenserfahrung. Zudem seien die Menschen vor Ort die Experten und damit äußerst wichtig für eine erfolgreiche Quartiersarbeit. Die Bausteine des Pilotprojektes „präventive Hausbesuche – Nachbarschaftsgespräche – Aus- und Aufbau eines Hilfe-Mix-Angebotes – Begegnungsmöglichkeiten fördern und schaffen“ erläuterte die Quartiersmanagerin mit zahlreichen Beispielen ebenso wie sie die Planung für 2026 anhand einer Präsentation aufzeigte.
In der anschließenden Podiumsdiskussion bat Moderator Bernd Janosch die Beteiligten um kurze Aussagen zu verschiedenen Fragen. Auf die „Vision Quartiersarbeit 2035“ erhielt er von Schultes Rembold die Antwort: „Die Bürgerschaft kann längstmöglich zuhause versorgt werden, wobei die Pflege über den Landkreis läuft und dadurch die Pflegekassen entlastet werden.“ Für Staatssekretärin Sabine Kurtz wäre dies „jeden Tag ein Anruf von 35- bis 60-Jährigen, die nach einer Aufgabe im Ehrenamt fragen.“ Dr. Joachim Bläse sieht bis dahin „Gemeinschaft und Älterwerden als Gemeinschaftsaufgabe sowie eine starke Nachbarschaftshilfe.“ Bis 2035 erhofft sich Hermann Staiber, Vorstand der Stiftung Haus Lindenhof, dass die gesamtpolitische Lage in der Wirtschaft eine andere Richtung einschlägt. Es bedürfe eines Veränderungsprozesses. „Der Staat braucht größere Offenheit und nicht die Kontrolle bei allem.“




